nicht weit weg
na, lieber Rolf,
du glaubst doch nicht, dass ich in den Ferien anders übe als sonst ?
Die Sprache ist schon ein Problem. Zu erklären, was man wirklich meint, kommt sehr zäh an. Deshalb noch eine kleine Ergänzung:
Ich bin sehr dafür, die Klaviermaschine ständig zu ölen und zu trainieren. Aber wenn meine Konzentration nicht mehr ausreicht, mich auf die Musik einzulassen, dann mache ich Pausen und übe nicht quasi mit verminderter geistiger Kontrolle weiter, weil das dann bequemer wäre.
Wir alle wissen, dass viel Klavierschüler nur aus einem Grund so häufig rein mechanistisches Training betreiben und das ist ihre Denkfaulheit. Bei einer sache ständig mit wacher Konzentration dran zu bleiben, ist nun mal sehr anstrengend.
Als die Menschen im 19 jahrhundert und auch früher noch mehr Zeit hatten bzw, weniger abgelenkt waren, bekamen sie schon mal die Empfehlung, diese oder jene Arpeggien und Leitern zu üben und dabei ein Buch zu lesen, einen Effekt hat auch das, denn die Finger werden bewegt aber das will doch keiner heute mehr.
Natürlich muss die Technik (Horovitz) ständig verbessert werden. Aber wenn man das diskutiert muss man auch mal wissen, was Klaviertechnik meint.
Das ist doch das Werkzeug, welches uns in die Lage versetzt, die Musik, die wir zum klingen bringen wollen tatsächlich ins Klavier zu übertragen.
Bei einem Hammer als Werkzeug haben wir es vergleichsweise einfach. wir stellen uns vor oder messen aus, wo der Nagel oder ähnliches hineingeschlagen werden soll. das Klavierwerkzeug ist aber nahezu unendlich in seiner vielfalt. Immer liegt dem Gebrauch eines Werkzeuges ein Plan zu Grunde, eine Vorstellung, was ich mit diesem Werkzeug anstellen will.
Ohne diese Vortellung treffe ich noch nicht mal die richtige Stelle mit dem Hammer.
Ich denke wir müssen viel intensiver darüber nachdenken, was wir eigentlich produzieren wollen. Unser ziel ist doch nicht, eine bestimmte Tonleiter schnell spielen zu wollen, sondern wir finden im Stück diese Tonleiter und die ist da aus einem bestimmten Grund, den der Komponist kannte. Sie passt meist? oder eher fast immer haargenau in den musikalischen Ablauf. Es ist also ein Unterschied zwischen einer beliebigen Tonleiter, die ich losgelöst von einem Stück spiele oder der Tonleiter in einem Kalvierkonzert. Dort passt sie nämlich genau in den Kontext und wenn ich das Nachfühlen kann dann habe ich einen Plan, wie sie klingen soll. Jetzt wird das Werkzeug der Stelle angepasst. Ich gehe davon aus, dass Leute, die Konzerte spielen, früher auch Tonleiter gespielt haben. Also ist prinzipiell der Rohling dieser Spezialwerkzeuge bereits vorhanden. Ich spiele die Stelle und höre mir an, ob sie meinen absichten, meiner Vorstellung entspricht. Ist das nicht der Fall, muss ich den fehler einkreisen. Spiele ich falsche akzente, ist der fingersatz zu optimieren, oder sind gar Bewegungsläufe behindert? Irgendwo ist der Fehler und mit dem richtigen Plan werde ich ihn finden und auch beseitigen.
Nun gibt es tatsächlich Läufe (z.b. die anlaufenden verminderten Arpeggien im Scherzo der f-moll Sonate von Brahms) wo ca. 16 Töne pro Sekunde gespielt werden müssen. Und nun erhebt sich die Frage: Muss ich da wirklich jeden einzelnen ton kontrollieren? Zunächst üben wir auch diese Arpeggien ja mal langsam, damit wir genau wissen, welche Töne dazu gehören uind da können wir noch die einzeltöne kontrollieren. Im richtigen Tempo kontrollieren wir nur nach das vorgestellte Klangbild, allerdings sind wir durchaus in der LAge, auch bei diesem Tempo jede Unregelmässigkeit zu registrieren und das so lange zu verbessern, bis wir zufriedenn sind.
Auch hier verkürzt sich die Prozedur des Übens erheblich, wenn ich immer voller Konzentration beim Plan bin, den ich von dieser Stelle habe.
Wenn ich einsehe, warum ein musikalisches Element gerade da kommt, dann will ich es ja so und habe keinen Gegensatz zwischen Denken und Ausführen.
Wenn ich nur daran danke, Arpeggien schnell zu spielen, dann ärgere ich mich vielleicht, weil diese verdammten Dinger nicht so laufen, wie ich will.
Die Vorstellung vom perfekten Klang dieser Stelle aber verleiht mir die
flügel, die meine Klaviertechnik unbedingt braucht.
für mich gibt es eine wichtige Rangfolge:
Der Geist schafft sich die Technik
und nicht
die Technik erschafft den Geist.
So ganz trennen kann man das nie, denn ich sagte schon, dass dies ein Prozess des ständigen sich Hochschaukelns ist, so dass die verbesserte Klaviertechnik eben auch neue vorstellungswelten erschliesst.
Das ist wirklich schwer, in worte zu fassen.
Insofern denke ich, dass das feilen an der Klaviertechnik unbedingt dazu gehört. Und wenn Horovitz diese 3 Komponenten nannte, so meinte er sicher, dass die immer zusammen gehören.
Eine Bemerkung noch die das Klavierüben betrifft:
Ich hatte bereits als Kind und dann während des Studiums Gelegenheit, wirklich bekannten Konzertpianisten, Sängern ud Anderen beim Üben zuzuhören.
Das waren bereits schon wunderbare Erlebnisse. Natürlich wurden da viele Stelle oft abgebrochen oder teilweise oft wiederholt aber ! immer klang es toll und musikalisch.