Damit tue ich mich ein bisschen schwer. Die Aussage, dass Naturwissenschaft ausschließlich beschreibt und nicht erklärt, ist meiner Ansicht nach falsch. Siehe etwa die Evolutionstheorie, welche die Entstehung der Arten eben sehr wohl erklärt. Oder: Mit seiner ART hat Einstein nicht nur ein Modell (wie die Newtonsche Theorie) geschaffen, mit dem sich die Gravitation quantifizieren lässt, sondern gleichzeitig einen Wirkmechanismus und damit (in meinem Verständnis) eine Erklärung liefert.
Eine kleine Frage: sind Mathematik und ihre Objekte für dich Erfindungen oder Entdeckungen?
Entschuldige bitte, dass ich erst jetzt antworte, ich bin gewissermaßen durch den like von
@Homie wieder auf diesen Beitrag aufmerksam geworden.
a) Mein Standpunkt zu der Frage ob Wissenschaft die Natur erklären kann in wenigen Worten:
Mein Problem ist, dass meines Erachtens die Frage "ob eine Erklärung wahr ist"*, direkt durch nicht wiederlegbare skeptische Argumente (im Sinne von Skeptizismus, im Sinne von Gehirn im Tank, etc.) als nicht entscheidbar zu bewerten ist. Aus diesem Grund lehne ich es ab zu sagen, dass die Naturwissenschaft die Natur erklärt. Mein Standpunkt ein Agnostischer, auch wenn dies in meinem von dir zitierten Post tatsächlich nicht sonderlich deutlich wurde, denn ich schließe nicht aus, dass die Naturwissenschaft die Natur (= Quelle unserer (erweiterten) Sinneswahrnehmungen**) erklären kann.
* und ** werden im nächsten Abschnitt definiert:
b) Erklärung und Beschreibung:
Ich denke weiter dass, wie so oft in der Philosophie, sich unsere Definitionen von Erklärung und Beschreibung unterscheiden. Darum möchte ich das geschwind mal definieren und vor allem mal skeptische Argumente ausschließen.
Ich definiere "Natur" als Quelle unserer intuitiv gegebenen und nicht weiter zu definierbaren Sinneswahrnehmungen (ich habe einen intuitionistischen Standpunkt ähnlich wie Ernst Mach).
Ich definiere "Experiment" als eine Konstruktionsanweisung welche als Ergebnis eine Zahl hat.
Eine Erklärung ist für nun für mich ein logisches Kalkül A (im Sinne von Schlussfolgerungsregeln, Axiomen, blablabla dass ich mal A nenne weil ich zu faul bin immer "dieses logsiche Kalkül" zu schreiben), sodass:
1) Jede experimentell mögliche Aussage korrespondiert zu einer Aussage innerhalb A.
2) Jede experimentell falsifizierbare Aussage ist innerhalb A falsch.
3) Jede experimentell wahre Aussage ist innerhalb A wahr.
4) Es ist möglich zu zeigen dass ein anderes logisches System B welches 1)-3) erfüllt zu A äquivalent sind (in dem sinne, dass sich alle Aussagen aufeinander abbilden lassen und das mit den Schlussfolgerungsregeln kommutiert).
(man kann natürlich hierüber noch weiter nachdenken...z.B. ob man 1) auch umgekehrt fordern kann, oder ob es minimale Modelle gibt etc. etc., aber das lass ich mal weg, man kann schließlich immer weiter nachdenken.)
Das ist für mich eine Erklärung, weil unter der Prämisse dass in der Natur unabhängig von der menschlichen Wahrnehmung Objekte existieren die Natur ein logisches System sein muss (weil sie in der Lage ist Aussagen zu verknüpfen) und man dann gezeigt hätte, dass es nur eine Äquivalenzklasse an logischen Systemen gibt, welche in der Lage sind die Natur vollständig zu beschreiben, ergo muss die Natur dieses logische System sein. (das kann man natürlich auch wieder mit irgendwelchen skeptischen Argumenten zerstören, aber das lassen wir hier mal doch bleiben... :D ).
Für mich gibt es nun verschiedene Arten von Beschreibungen:
I) Fundamentale Beschreibung: Ein logisches System welches nur 1) - 3) erfüllen.
II) Effektive Beschreibung: Ein logisches System welches 1) - 3) für eine Unterklasse an Experimenten erfüllt.
III) Effektive Erklärung: Logische Kalküle welche 1)-4) für eine Unterklasse an Experimenten erfüllen.
Aktuell bewegt sich die theoretische Physik hauptsächlich innerhalb von II, wobei sie langsam (äußerst langsam) in Richtung III vordringt.
c) Ein bisschen Illustration für (die/den) Physiker:
Die ART ist nach meiner Klassifikation meines Erachtens aktuell höchstens (II) - eine effektive Beschreibung:
- Die ART sagt Krümmungssingularitäten voraus welche "geodesically incomplete" sind, sie macht keine Aussage darüber, was mt einem auf die Singularität zurasenden Testpartikel nach einer bestimmten Eigenzeit geschieht (Hawking-Penrose Theorem). Sie macht also keine Aussagen über Experimente bei denen Lichstrahlen direkt auf eine Singularität geschossen werden. Somit macht ART nur über eine Unterklasse an Experimenten eine Aussage.
- 4) wurde für ART nicht gezeigt, wir wissen also nicht ob sie eine effektive Erklärung ist. Ohne mich damit jetzt besonders gut auszukennen: Es gibt Leute die behaupten, dass TEGR (Teleparallel Equivalent of GR) eine Theorie ist die die Ergebnisse von ART reproduziert aber mathematisch anders funktioniert (für Theoretiker: In TEGR ist der affine Zusammenhang ungekrümmt hat aber dafür Torsion, während in ART der Zusammenhang gekrümmt aber dafür torsionsfrei ist. Ich kenne mich mit TEGR nicht gut aus, aber hier gibt es nen Review:
arXiv:1303.3897 ).
Umgangssprachlicher zusammengefasst: Es gibt Experimente über die die ART nichts aussagt und man weiß nicht ob es inequivalente Theorien gibt welche die Ergebnisse der ART reproduzieren. Also ist die ART für mich keine Erklärung (auch umgangssprachlich ist sie keine Erklärung :D).
Evolutionstheorie ist mit meinen Kenntnissen nicht ausreichend quantifizierbar, darum lasse ich die Diskussion hier mal weg.
Sooo, ich hoffe nun etwas besser erklärt (haha, er hat erklärt gesagt) zu haben was ich meine.
@Ferragus: Wenn noch weiter Diskussionsbedarf besteht würde ich vorschlagen wir klären das per PN, ich geb dir auch gerne meinen Skype-Namen/meine Mailadresse/meine Brieftaubenvogelhäuschenleitzahl.
LG,
Daniel
P.S. Für mich entdeckt man in der Mathematik. Außer in der Numerik, da erfindet man. Ok, letzteres war ein Witz.