Mir ist der Daumensatz unangenehm und das schon seit ich an Tasteninstrumenten sitze. Ob es an den Daumengrundgelenken liegt oder an den Folgen der beidseitigen Seitenbandruptur („Skidaumen“; ist aber nicht beim Skilaufen passiert) ist letzten Endes egal.
un poco "angeödigto" e "genervtico"
(statt eher nutzlos, indes allerdings leicht streitbar herum zu diskutieren, könnte man mal anfangen, "die Denke" zu machen... also kein Blabla über "diese oder jene Technik" oder über "diese XY-Übungen oder jene" oder über "Daumenunter-über-sonstwas-satz")
1. ganz naive Überlegung (eigentlich nicht mal das, nur Beobachtung) : einfach mal gucken, was man überhaupt hat und einsetzt:
- aha, zumeist zwei kürzere Finger (1. & 5.) und drei längere (da bleiben nur noch 2., 3. & 4. übrig)
=> Heureka: will man alle Fünfe auf die Tasten tun, dann ist die Grifflage e-#f-#g-#a-c am bequemsten: da kann man die Griffel flach und entspannt auf die Tasten legen
=>=> Hosianna und Halleluja: das hatte schon der polackische Frycek entdeckt und zunächst das, anschließend H-Dur Skalen empfohlen (der war nämlich nicht doof, der Frycek, sondern der verstand was davon - hat ja dann auch prima Sachen für Klavier verzapft: op.10, op.25)
Wenn man, wie empfohlen, "die Denke" macht, dann kann man ohne sonderliche Hirnüberanstrengung ganz von allein darauf kommen, dass es primär ratsam ist, die Griffel völlig natürlich (wie die Hand aufm Tisch liegt) auf die Tasten zu legen: ohne sich zu verdrehen, zu verbiegen, zu verspannen oder sonstiges ungesundes Gezerre zu veranstalten!
2. ganz naive Überlegung (auch nur ne Beobachtung) : die Hand samt ihren Griffelfingerlein ist via Handgelenk am Unterarm angewachsen (abweichende Fälle sind sehr selten...) beglotzt man das Handgelenk und probiert aus, was das so alles macht, wird man ohne Hirnüberanstrengung ganz allein ermitteln können, dass sich die Griffelfinger am besten (freiesten, lockersten) bewegen können, wenn das Handgelenk nicht verbogen wird ( der Grund dafür ist auch ganz einfach: es kostet erstmal unnütze Muskelspannung, das Handgelenk zu verbiegen!)
allein aus diesen zwei total naiven, einfachen, natürlichen Beobachtungen kann man ohne Hirnmühe, ohne Technik-lern-blabla sowohl schließen als auch spüren, dass man Hand und Finger IMMER locker und entspannt und ohne alle verspannte Herumgriffelei*) auf die Tasten legen soll und - kann. Völlig egal, was gespielt werden soll (schlimmstenfalls muss man schnell zwischen verschiedenen bequemen Grifflagen wechseln!)
@Marlene (die du
@hasenbein ´s richtige Anmerkungen vergeblich "argumentativ" zu zerpflücken versuchst...) => machst du das immer und überall, dass du ohne drehen/biegen/strecken und ohne verspannt herumgriffeln stets die bequemste und natürlichste Grifflage einsetzt?
...sag jetzt nicht vorschnell "ja, das tu ich"...!!!... denn: wenn du das tun würdest, hättest du kein Problem mit "Daumenuntersatz"
...jetzt kann ich lebhaft vor mir sehen, wie das empörte Marlenchen denkt "aber hoppla, wie kann der Arsch, der mich noch nie hat spielen sehen und hören, sowas dreist behaupten"
na ja, dazu muss man nicht zuschauen oder zuhören, denn alles, was du dazu beschreibst und ausführst, zeigt deutlich, dass du weder weißt, was das ist, noch wie man das macht...
so
@Marlene tobe nun nicht, wüte nicht - stattdessen lies weiter
und zwar aufmerksam
...am Anfang war die Beobachtung, dass die Finger unterschiedlich lang sind - stimmt´s? ...und gleich danach die Beobachtung, dass das Handgelenk gerade und entspannt sein soll - stimmt´s?
Jetzt folgende Aufgabe:
setz dich ganz normal vor deine Klimperkiste
spiel mit der rechten Hand die Des-Dur Tonleiter im Bassregister (z.B. von Des nach des bis zum des1 (also zwei Oktaven)
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(kleine Probierpause)
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a) Esel & Trottel
diese Exemplare werden sich weit nach links beugen, werden das Handgelenk verbiegen (nach außen) und sich ungelenk mit Drehungen und Windungen und buhuhu-Daumenuntersatz quälen,
weil sie idiotisch glauben, dass sie ihre Hand und ihre Finger immer parallel zu den Tasten halten müssen
b) wer weder Esel noch Trottel ist,
der vertraut auf das, was Chopin als Grundlagen erklärt! Handgelenk gerade, runterfassen zum Des und das mit dem Zeigefinger berühren
und das Handgelenk gerade lassen: Heureka, Hand und Arm sind jetzt "schief" zu den Tasten!! Halleluja: so gehalten sind 2. und 3. Finger viel länger als der kurze Daumen (Handgelenk ist gerade, 2 und 3 berühren des und es, 1 liegt schon auf dem f) --- und wenn man dann den Arm einfach ruhig und langsam nach rechts zieht, dann spielt man die Des-Dur Skala mit 2-3-1-2-3-4-1-2-3-1-2-3-4-usw und nirgendwo muss der Daumen mühsam unter die Hand bewegt werden**)
begriffen?
als einfache Anleitung: Ellenbogen zur Seite, Hand/Unterarm schief zu den Tasten, und fast alle Daumenunter- und -übersätze samt Verdrehungen und Anstrengungen verschwinden!
Jede Tonleiter, egal mit welchem Fingersatz (es gibt verschiedene), lässt sich ebenso ruhig und gleitend (und ohne verspannte Anstrengungen etc) wie ein Glissando spielen!
Noch eine Anmerkung: "Ellenbogen raus" ist anfangs ohnehin hilfreich, damit man die Hand gerade hält (dass sie nicht zum 5. Finger runterkippt) -- es vergehen Jahre der Gewöhnung, bis man entspannt die Hand gerade auf den Tasten hat und dabei die Ellenbogen nicht weit nach außen hält.
@Marlene du bist mir nicht böse, weil ich´s etwas drastisch formuliert habe?
... so ein bissel Unterhaltungswert muss doch sein beim öden Thema Daumenuntersatz
Übrigens kann man jede Tonleiter auch ohne Daumen spielen (!) und man kann auch Bachs 1. Invention völlig ohne beide Daumen spielen (!!)
die Grundregel ist ganz einfach: der Arm führt die Finger zu den Tasten, man muss sich nirgendwo mühsam verbiegen oder verdrehen oder sonstige Anstrengungen machen***)
und abschließend noch ein Tipp: restlos alles Skalenzeugs, auch in Anfängerstückchen wie Beethovens F-Dur Sonatine oder Mozarts "facile" (Kopfsatz) immer non legato (!!!) und erst mal Ellenbogen nach außen!!!
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Das alles bedeutet NICHT, dass es niemals die Notwendigkeit gäbe, den/die Daumen sauflink unter die Hand bringen zu müssen - natürlich gibt es das. Der Daumen ist der einzige Finger, der weit nach links und rechts bewegt werden kann (der Bewegungsradius der anderen 4 Finger ist da kleiner) und natürlich werden seine Bewegungsmöglichkeiten auch genutzt. Aber die fürs Klavierspielen optimale Bewegungsweite und -geschwindheit des Daumens wird erst in weit fortgeschrittener Literatur nötig (ab Beethovens c-Moll und Eroica Variationen aufwärts) und "normalerweise" wird man im Fall von gutem Unterricht nach und nach dahin geführt. ABER wer ohnehin nie Chopins Polonaise op.53 im Tempo anständig (also mindestens gut!) spielen können wird - und das sind die meisten aller Klavierspieler - der muss sich darüber auch keine Gedanken machen und kann seine mittelschweren Sachen ohne gräßlich flinke-beweglich-trainierte Daumen hinkriegen, und zwar ohne klangliche Einbußen.
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(man liest auch immer mal wieder Unsinn über Chopins Etüde op.10 Nr.2: dass die der 3. über den 4. "übersetzen" müsse - das ist katastrophaler Schwachsinn! Niemand tut da irgendwelche Finger "übersetzen", die beiden Bewegungsmuster für die Chromatik mit den Außenfingern sind ganz anders)
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noch was kurioses spaßeshalber: ich sehe oft Leute wieselflink mit beiden Daumen (!!!sic!!!) auf dem Smartphone Texte tippen - das kann ich nicht! Ich muss da stümperhaft mit dem rechten Zeigefinger allein... --- als gerechter Ausgleich für dieses motorische Manko muss ich über die Skalen in der Chopinpolonaise oder im 2. Tschaikowskikonzert weder nachdenken noch diese üben
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*) das ist ein beliebter Anfänger- und Laienfehler: sich zu mühen, die Finger irgendwohin zu strecken, die Hände dabei verbiegen
und natürlich die grässlichste aller Dummheiten, bei Tonleitern schwachsinnige Drehungen mit der Hand vollführen, weil ja buhuhu der Daumen mal nach dem 3. oder 4. Finger dran ist, oder weil man ja buhuhu mal mit dem 3. oder 4. Finger am Daumen vorbei soll...
**) hiervon ausgehend kann man in allen Lagen und für jede Skala eine Bewegungsweise finden, die so bequem wie möglich ist und dem Daumen nicht zu viel Arbeit macht
***) natürlich gibt es auch bei motorisch/bewegungsmäßig absolut richtigem Spiel Anstrengung(en), aber das betrifft dann nur unbequeme rasante Sachen (die viel geübt sein müssen) und virtuoses Zeugs (rasante Doppelgriffe, Akkordketten etc) - aber wer überhaupt sowas spielt (Gaspard, h-Moll Sonate etc), der hat die Grundlagen längst verinnerlicht (denn wenn nicht, dann hört man das angestrengte gequälte Gemurkse)