Ich würde eher @rachmaninova zustimmen. Als ich damals mit 9 Jahren angefangen habe Klavier zu spielen, hat sich für mich die Frage natürlich gar nicht gestellt. Gut - meine Eltern hätten in der Theorie natürlich trotzdem ein teures Klavier für mich aussuchen können - in der Praxis nicht, weil das finanziell gar nicht drin gewesen wäre. Da ich lieber Keyboard spielen wollte, meine Mutter mich aber in Richtung Klavier geschupst hat, wurde es dann ein ganz ordentliches aber eher unten angesiedeltes Clavinova von Yamaha.
Auch sicherlich nicht das beste Instrument um Technik zu üben, aber für mich absolut perfekt. Ich habe mir spielerisch durch die Funktionen spielen nach Akkorden beigebracht und die grundsätzliche Technik im Klavierunterricht auf einem echten Klavier erlernt. Ich bin meiner Mutter sehr dankbar, dass es Klavier und nicht Keyboard geworden ist. (im Grunde ist es ja dasselbe - ich kann ja jetzt auf jedem Keyboard irgendwas klimpern wenn ich wollte; anders rum würde das nicht so gut gehen).
Jetzt werde ich dieses Jahr 30 und habe das Clavinova immer noch - mittlerweile 500km von meiner Heimat entfernt - aber es ist gerade im anderen Raum neben mir während ich das hier tippe. Das muss jetzt nun auch nicht sein - es hätte natürlich vor 10 Jahren auch ein anderes schon werden können - aber damals habe ich das gar nicht vermisst und war bis jetzt sehr zufrieden. Und ich kann jetzt ebenfalls ziemlich gut spielen - vielleicht nicht technisch perfekt, aber das was mir Spaß macht, Klassik wie Modernes.
Und das wichtige vorauf ich hinaus will: Auch wenn ich auf einem digitalen Klavier gelernt habe, was ordentlich war, aber keine echte Hammermechanik hatte, keine nachempfundenen Obertöne beim Halten von Tasten wenn man andere anschlägt, deren Schwingungen die anderen Saiten auch zum Schwingen bringen, wie es moderne hochwertige Digitalpianos machen, habe ich trotzdem genug Feingefühl, jetzt an akustischen Klavieren die Intonation beurteilen zu können und vergleichen zu können. Vielleicht gehört auch etwas Talent dazu.
Aber mir macht es jetzt Spaß nach einem Nachfolger für mein Klavier zu suchen, vor allem weil ich beurteilen und vergleichen kann. Und das ganz sehr auch nach Gefühl - auch wenn Klang selbstverständlich auch sehr wichtig ist. Aber ich gehe eine Verbindung mit dem Instrument ein und das geschieht nun mal über meine Hände und fühlen und denken und ausprobieren und und und....
Und das alles würde ich - neben dem Klang - nicht missen wollen, wenn ich mir ein hochwertiges Instrument anschaffe.
Aber jeder ist anders, jeder hat andere finanzielle Mittel zur Verfügung, jeder hat andere Ansprüche, alles hat seine Berechtigung. Und wenn es sich für euch so gut anfühlt, dann kann das auch der richtige Schritt sein! Bei mir war es auch ein wenig Risiko, 2.500€ in 2005 für ein E-Piano auszugeben. Das war schon viel Geld für uns. Es hat sich ausgezahlt. Und vielleicht macht es sich das für euch ja auch, nur halt nicht mit 2.500€ sondern 10.000-15.000€. Ich wünsche es euch!