Jazz und Klassikunterricht Akkorde aufteilen, Improvisation

Du musst zugeben, es fallen lediglich Privilegien, und da ist natürlich klar, dass Ihr aufheult.
Ich bin nicht der Meinung, dass "klassische zeitgenössische Komponisten" GEMA-Privilegien gegenüber beispielsweise hervorragenden Jazzmusikern haben sollten.
 
Diese "Reform" ist eine ziemliche Sch...idee. Sie betrifft nicht nur Neue Musik, sondern alle klassischen zeitgenössischen Komponisten (mich auch).
Warum? So, wie ich es verstehe, geht es doch darum, das finanzielle Missverhältnis zwischen Kompositionen, die nur ungefähr ein Mal gespielt werden (also anspruchsvollere Musik) und musikalischer Massenproduktion auszugleichen:

„Die gewaltigen Einnahmen aus der allgegenwärtigen Gebrauchsmusik sollen die geringeren Einnahmen aus der Kunstmusik ausgleichen.“
Quelle: https://www.ndr.de/kultur/musik/Umb...ueber-das-Ende-von-E-und-U-Musik,gema150.html

Das Ganze scheint auch noch nicht entschieden zu sein:

„Im Mai soll auf der Versammlung der GEMA-Mitglieder entschieden werden. Bis dahin wird genau gerechnet und hart verhandelt.“
Quelle: s.o.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn man halt Sachen komponiert, die niemand öfter spielen oder hören will, ist das ja nun eigene Schuld (egal in welchem Genre). Bloß weil man der Ansicht ist, dieses Werk, das niemand hören oder spielen will, sei ganz große Kunst, berechtigt einen das nicht, eine Extraportion aus staatlichen oder GEMA-Töpfen einzufordern.
 
Wenn man halt Sachen komponiert, die niemand öfter spielen oder hören will, ist das ja nun eigene Schuld (egal in welchem Genre). Bloß weil man der Ansicht ist, dieses Werk, das niemand hören oder spielen will, sei ganz große Kunst, berechtigt einen das nicht, eine Extraportion aus staatlichen oder GEMA-Töpfen einzufordern.
Bei den GEMA-Töpfen bin ich bei dir. Bei staatlichen Förderungen finde ich es schon in Ordnung, wenn bestimmte Künstler unter bestimmten Bedingungen gefördert werden.

Ich hatte mal ein sehr schräges Jazz-Konzert eines Gitarristen besucht, der vom Goethe-Institut gefördert wurde und mit ziemlich ausgefallenen Anschlagstechniken experimentierte. Mir hat das gut gefallen und ich finde es nicht schlecht, wenn durch solche Förderungen Neues ermöglicht wird, was man sonst nicht zu Gehör bekommen kann.
 
@hasenbein Bist du auch einer von diesen FDP-Wählern, die nicht merken, dass das Parteiprogramm mit ihnen gar nichts zu tun hat?
 
Nein, ich sage nur, wie es ist. Ihr habt ein Klientel-Interesse - nämlich dass Eure Nischenmusik mit möglichst viel Geld bedacht wird, weil Ihr die für besonders wertvoll haltet. Aber erzähl mir mal, warum "zeitgenössische Klassik" es "verdienen" soll, höhere Beträge aus dem GEMA-Topf zu bekommen als beispielsweise Jazz oder auch Rock. Das sind doch alles letztlich Zöpfe aus der Mitte des 20. Jahrhunderts, als die "E-Musiker" auf die "U-Musiker" herabschauten und sich daher dieses GEMA-System auf ihren Leib schneiderten, die jetzt richtigerweise mal zumindest teilweise abgeschnitten werden sollen.
 
Das Problem ist, dass die GEMA ein Monopol hat. Man kann nur Mitglied sein oder gar kein Geld kriegen. Es käme auch niemand auf die Idee, Spielplätze abzuschaffen, nur weil die meisten Bürger sie nicht nutzen und ein Bürokomplex mehr Profit abwerfen würde. E-Musik zu subventionieren ist eine Form von Kulturförderung, die wir uns leisten müssen, weil sonst die Vielfalt in der Musik immer mehr abflacht - so wie schon die Vielfalt unter den Musikern zurückgeht durch die immergleichen Anforderungen in Wettbewerben (durch die homogen besetzten Jurys).

Es gibt auch Fördergelder und Vereine für Komponisten zweiter und gar dritter Reihe (was hab ich schon für mittelmäßige Musik erlebt, nur weil irgendein Förderverein sie nicht versacken lassen will...) - und das ist auch richtig so. Genauso wie es Sushi vom Discounter neben All-You-Can-Eat neben Normalo-Sushibars neben gehobenen Restaurants neben Sterne-Sushi geben muss. Bis auf Discounter-Sushi habe ich alle Versionen davon schon probiert - hat alles seine Berechtigung. Sterne-Sushi wird natürlich nicht subventioniert. Obwohl - keine Ahnung was meine Begleitung damals bezahlt hat :005:

Dass übrigens Jazz als U-Musik zählt, ist in der Tat ziemlich unfair. Die Unterscheidung rührt doch u.a. daher, dass U-Musik im Radio rauf und runter gedudelt wird und zigtausende Euro an Tantiemen abwirft, während 95% der Komponisten (und auch Interpreten) keine Chance darauf haben. Jazz kommt dabei leider ziemlich selten vor.
 
Aha, jetzt kommst Du so langsam aus dem Quark. Mit anderen Worten, Du bist der Ansicht, dass es sehr wohl "E-Musiken", also künstlerisch hohe, gibt, die zusätzliche finanzielle Förderung verdienen, und tiefstehende "U-Musiken", bei denen das nicht der Fall ist.

Nicht dass ich so einer qualitativen Unterscheidung widersprechen würde - das Problem ist aber, dass nicht eine neutrale, außenstehende Instanz entscheidet, was zu was gehört und demzufolge mehr Kohle kriegt oder nicht, sondern dass Lobbygruppen sich was zuschustern. Weswegen die GEMA auch so mafiös ist wie sie nun mal ist und daher sowieso abgeschafft und durch was Neues ersetzt gehört.

Einerseits ist es sehr problematisch, danach zu gehen, ob etwas von vielen gehört, gekauft oder gut gefunden wird. Das ist ja das, was auch hier im Forum viele der ahnungslosen Normalos vertreten - "Tausende Fliegen können doch nicht irren". Andererseits ist aber auch der GEMA-Begriff der "Schöpfungshöhe" außerordentlich problematisch und eigentlich juristisch nicht haltbar (wieder ein Indiz für die Mafiosität der GEMA, dass die jahrzehntelang mit so einem Begriff operieren können.) Es ist nicht haltbar, eine komplizierte Wichtigtuer-Partitur mit lauter Septolen und seriellen Tricks für höherwertig zu befinden als einen wirklich guten, hervorragend arrangierten und performten, aber in der kompositorischen Struktur einfachen Popsong. Meiner Meinung nach ist Letzterer höherwertig. Und ganz bescheuert wird es, wenn jemandem das "E-Musik"-Label verwehrt wird, weil zu viel Anteil an Improvisation in seiner Partitur drin ist oder eine im Jazz- oder Pop-Sinne tatsächlich richtig groovende Rhythmsection vorkommt. Ich behaupte: Vieles, was an Zusammenarbeit zwischen den Genres eigentlich möglich wäre, kommt nicht zustande, WEIL die Klassiker Angst um ihre GEMA-Gelder haben. Denn viele Klassiker finden ja beispielsweise Jazz eigentlich voll interessant und beneiden die Jazzer immer um ihr freies Spielen und ihren Fun.
 
Kompositionen, die nur ungefähr ein Mal gespielt werden (also anspruchsvollere Musik) und musikalischer Massenproduktion
Der Begriff „anspruchsvoll“ ist schon ziemlich euphemistisch und anmaßend für vieles, was heute so als E-Musik bewertet wird.

Meist werden Stücke nur einmal gespielt, weil sie einfach nicht gut sind, egal in welchem Gerne. Warum sollen die gefördert werden?

Das größte Problem ist aber wer entscheidet auf welcher Grundlage was E und was U ist. Momentan läuft das so ab, wer möglichst kompliziert seine Musik aufschreibt hat gute Chancen, dass die Musik als E bewertet wird.

Wer nicht als E bewertet wird, hat gute Chancen vor Gericht auf so eine Bewertung. Die meisten Gerichtsverfahren gehen mit Vergleich zugunsten des Komponisten aus, weil den Richtern kein vernünftiges Abgrenzungsmerkmal dargelegt werden kann.
 
Denn viele Klassiker finden ja beispielsweise Jazz eigentlich voll interessant und beneiden die Jazzer immer um ihr freies Spielen und ihren Fun.
Zum Glück bin ich kein echter Klassiker, was man schon daran merkt, dass ich frei spielen, und dabei sogar Fun haben kann.
"Voll interessant" finde ich Jazz aber nun auch nicht und daher ist es auch eher selten was jazziges, wenn ich improvisiere.

Über wem die GEMA ihr Geld ausschüttet, ist mir auch ziemlich egal ... ich mache seit Jahren einen großen Bogen um die GEMA. Und auch dabei gehts ums Geld, denn ich habe einfach mehr davon, wenn ich an diesem Verein vorbei existiere.
Die GEMA sorgt für mich nur für eines: Ich kann einige Songs eben nicht spielen, weil die GEMA dafür gleich die Hand aufhalten würde. Bei den lächerlichen Gagen, die die Veranstalter meist bieten, kann ich mir die GEMA einfach nicht leisten.
 

Die zugrundeliegende Frage finde ich ja, wozu die GEMA eigentlich da ist.

Soll sie fördern - also "Nischen"kunst einen Ausgleich bieten dafür, dass sie nicht so populär ist?
Oder soll sie einfach die Einnahmen von Veranstaltern, Funk usw. die die Schöpfer/in weiterverteilen?

Irgendein Mix daraus wird zwangsläufig irgendeinen "Verteilschlüssel" brauchen, der letztlich willkürlich ist und von den Mitgliedern der jeweiligen Kommission abhängt.

Es ist nicht haltbar, eine komplizierte Wichtigtuer-Partitur mit lauter Septolen und seriellen Tricks für höherwertig zu befinden als einen wirklich guten, hervorragend arrangierten und performten, aber in der kompositorischen Struktur einfachen Popsong.

Ich frage mich da sowieso, welches belastbare Kriterium es da geben soll. "Höherwertig" bedeutet ja auch, dass manche Musik "minderwertig" ist. Das finde ich schwierig. Ist zB "Let it be" höher- oder geringerwertig als "Dienstag aus Licht"?


Noch zur Ausgangsfrage:
Der Jazzlehrer lernt mir gerade Autumn Leaves. Die Akkorde (Bill Evans Voices) kann ich irgendwie bilden. Aber ich verstehe noch nicht, wie ich darauf improvisieren kann

Wenn Du schon Voicings kannst, dann hast Du eine gute Ausgangslage. Als Anfang könntest Du links Grundton und Terz oder Grundton und Septime spielen und rechts auf die schweren Taktzeiten (1 und 3, bzw. bei langsamen Tempi auf 1,2,3,4) die Töne des Voicings spielen. Erstmal halbe, dann auf die Viertel. Auf die leichten Zählzeiten kannst Du dann auch Durchgangstöne, Anspielen oder Umspielungen einfügen.
Versuche, auch rhythmisch Abwechslung reinzubringen. Ansonsten sollte Dir das Dein Lehrer ja auch zeigen können.

Ich finde es ja auch bedauerlich, dass "Improvisieren" immer mit Jazz gleichgesetzt wird. Warum nicht auch im Klassikunterricht? Bach, Mozart und Co. waren großartige Improvisatoren. Ich hatte das Glück, nebenbei bei einem älteren Herrn Liedspielunterricht zu haben. Nach Generalbass, Chorälen und Volksliedern wurden einfache "Variationen" darüber gespielt. Genauso könnte man mit einem Thema aus einem Klavierstück, was man gerade übt, improvisieren. Oder: Einige Präludien aus dem WK könnten imo durchaus aus Improvisationen entstanden sein, da wird ein Motiv über verschiedene Akkorde durchdekliniert. Kann man doch auch mal selbst versuchen.
 
Ich meinte damit eher „als anspruchsvoll empfunden“, v.a. auf der Hörerseite.
Vielleicht ist „anstrengend“ das richtige Wort ;-)
Aber es sind doch die Veranstalter verpflichtet, an die GEMA zu zahlen, nicht die Künstler.
Wenn der Musiker ein Konzert veranstaltet und dazu nur einen Raum mietet (Vertrag genau durchlesen) zahlt der Musiker.
Im Übrigen könnte man theoretisch durch Spielen GEMAfreier Musik mehr Geld vom Veranstalter bekommen/verlangen, in der Praxis aber eher selten der Fall. Da spart der Veranstalter gerne.

Funfact: wenn ein GEMA-Mitglied öffentlich improvisiert fallen Gebühren an. Also immer schön alles nach Noten spielen.
 
Ich finde es ja auch bedauerlich, dass "Improvisieren" immer mit Jazz gleichgesetzt wird. Warum nicht auch im Klassikunterricht? Bach, Mozart und Co. waren großartige Improvisatoren. Ich hatte das Glück, nebenbei bei einem älteren Herrn Liedspielunterricht zu haben. Nach Generalbass, Chorälen und Volksliedern wurden einfache "Variationen" darüber gespielt. Genauso könnte man mit einem Thema aus einem Klavierstück, was man gerade übt, improvisieren.
Da fällt mir Gabriela Montero ein, die improvisiert ganz wunderbar und es klingt immer nach Klassik. Die fordert teilweise das Publikum auf, eine Melodie vorzuschlagen und sie improvisiert dann darauf. Hervorragend.
 
Aber es sind doch die Veranstalter verpflichtet, an die GEMA zu zahlen, nicht die Künstler.
Genau ... mit GEMA-gebundener Musik macht man sich weniger atraktiv, weil dann der Veranstalter noch die Gebühren mit einpreisen muss.
Ich hatte schon Veranstalter, die direkt nach "GEMA-frei" gefragt haben und auch keinen Hehl draus machten, das die Gage geringer ausfallen würde, wenn sie Gebühren entrichten müssen.
Wenn man einen Dorfplatz bespielt, greift die GEMA ganz schön kräftig zu (zumindest, seit sie nach Fläche berechnen).

Da ich in diese beiden Fallen nicht mehr tappen möchte, habe ich mein Repertoire nach und nach auf GEMA-frei umgestaltet ... leider sind "Wunschrunden" dadurch recht enge Grenzen gesetzt. Oft muss ich dann sagen "tut mir leid, aber da hält die GEMA die Hand drauf".

Als kleiner Freischaffender empfinde ich die GEMA eher als Behinderung.
 

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