Kaufberatung Wandklavier - Bechstein vs Yamaha

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Andreas RP

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19. Feb. 2025
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Hallo liebes Forum,

ich bin seit längerer Zeit auf der Suche nach einem Wandklavier (als Ersatz für Yamaha CLP 775). Zur Zeit gibt es 2 Favoriten, bei denen mich Eure Einschätzung freuen würde:

1) Ein Yamaha YUX aus 1983 bei einem Händler für Gebrauchtklaviere. Instrument spielt sich sehr schön, schnell und direkt, und der Klang ist auch wirklich schön, auch wenn vielleicht etwas "spitz". Das Klavier kostet um die 7000 EUR und hat (leider) ein Feurich "RealTouch" Silent System installiert, bei dem die Tonqualität so weit hinter meinem CLP sind, dass die Ohren fast weinen (sorry an alle Feurich Silent Fans)

2) Ein Bechstein 116 aus dem Jahr 1983. Dieser hat einen tollen Klang, das Pedal quietscht leider etwas (was sich wohl leicht beheben lässt). Das Instrument wurde im Rahmen der Lehre bei einem renommierten Pianohaus restauriert (Seiten, Hämmer, etc.).

Hat jemand Erfahrung mit solchen "Gesellenstücken" ? Würde ihr hier eher dazu und abraten? Und für welches Piano würde ihr euch entscheiden. Preislich liegen beide sehr ähnlich.

Danke,
Andras
 
Edit: habe vergessen zu sagen, der Bechstein wäre ein Kauf bei einer Privatperson. Und ausserdem gibt es noch eine dritte Option, die ich allerdings noch nicht gesehen habe:

3) Ein Bechstein Accent Vario B 116 aus 2013

Danke
 
Grundsätzlich würde ich mich für das Instrument entscheiden, das mir klanglich am meisten zusagt.

Wenn ich unbedingt ein Silent-System haben wollte, würde ich allerdings eines nehmen, mit dessen Klang ich leben kann.

Ansonsten: so viele Klaviere wie möglich anspielen. Vielleicht ist "dein" Instrument ja keines dieser drei.
 
Die YUX-Klaviere haben sternförmige Rasten, das war eine zeitlang modern; hat sich aber wieder aufgehört. Das aktuelle Modell wäre wohl das YUS3, das einen sehr guten Eindruck bei mir hinterließ. Die Modelle mit YU werden in Yamahas besten Werken in Japan gebaut und intoniert, das trifft auf viele günstigere Modelle der Marke nicht zu.

Klanglich müsste ein YUX etwas oberhalb der U-Serie zu verorten sein. Das mechanische Pendant zum YUX wäre das U3 welches ein universelles und robustes "Arbeitsklavier" ist, das auch gerne im Ausbildungsbereich genutzt wird. Qualitativ gibt es keine Bedenken. Es gab mal Yamaha-Serien mit reißenden Kapselschnüren was teure Reparaturen zur Folge hatte, das war aber meiner etwas unscharfen Erinnerung nach zeitlich davor.

Im Bass könnte das YUX mit 130 cm Gehäusehöhe einem kleineren Bechstein mit 116 cm bei der Reinheit des Klanges durchaus etwas überlegen sein. Ob die Yamaha-typisch hellere Klangfarbe des Instruments gefällt hängt auch von der Art der Musik und persönlichen Vorlieben ab. Mit einer Intonierung kann man den Klang des Yamahas evtl. etwas abrunden.

Die aktuelle Baureihe YUS hat — bei gleichem Grundkörper — u.a. andere Hämmer und hat sich klanglich weiterentwickelt. Wir haben selbst ein ganz junges YUS5, das auch ein anderes Gehäuse verwendet, und ich finde dessen akustische Performance äußerst attraktiv, die Spielweise ist laut meiner Gattin präzise und leichtgängig, preislich sowieso eine Ansage im Vergleich zu den Europäern. Die angespielten neuen C. Bechsteins und W. Hoffmanns waren entweder obszön teurer oder auch nicht besser, hatten auch kein gutes Silent-System zu bieten.

Wenn du auf ein Silent-System reflektierst, dann nimm eines mit "ab Werk" und eher etwas jüngeres, da hat sich viel getan.
 
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Die YUX-Klaviere haben sternförmige Rasten, das war eine zeitlang modern; hat sich aber wieder aufgehört. Das aktuelle Modell wäre wohl das YUS3, das einen sehr guten Eindruck bei mir hinterließ. Die Modelle mit YU werden in Yamahas besten Werken in Japan gebaut und intoniert, das trifft auf viele günstigere Modelle der Marke nicht zu.

Klanglich müsste ein YUX etwas oberhalb der U-Serie zu verorten sein. Das mechanische Pendant zum YUX wäre das U3 welches ein universelles und robustes "Arbeitsklavier" ist, das auch gerne im Ausbildungsbereich genutzt wird. Qualitativ gibt es keine Bedenken. Es gab mal Yamaha-Serien mit reißenden Kapselschnüren was teure Reparaturen zur Folge hatte, das war aber meiner etwas unscharfen Erinnerung nach zeitlich davor.

Im Bass könnte das YUX mit 130 cm Gehäusehöhe einem kleineren Bechstein mit 116 cm bei der Reinheit des Klanges durchaus etwas überlegen sein. Ob die Yamaha-typisch hellere Klangfarbe des Instruments gefällt hängt auch von der Art der Musik und persönlichen Vorlieben ab. Mit einer Intonierung kann man den Klang des Yamahas evtl. etwas abrunden.

Die aktuelle Baureihe YUS hat — bei gleichem Grundkörper — u.a. andere Hämmer und hat sich klanglich weiterentwickelt. Wir haben selbst ein ganz junges YUS5, das auch ein anderes Gehäuse verwendet, und ich finde dessen akustische Performance äußerst attraktiv, die Spielweise ist laut meiner Gattin präzise und leichtgängig, preislich sowieso eine Ansage im Vergleich zu den Europäern. Die angespielten neuen C. Bechsteins und W. Hoffmanns waren entweder obszön teurer oder auch nicht besser, hatten auch kein gutes Silent-System zu bieten.

Wenn du auf ein Silent-System reflektierst, dann nimm eines mit "ab Werk" und eher etwas jüngeres, da hat sich viel getan.
Herzlichen Dank für deine tolle und hilfreiche Antwort. Wir hatten Yamaha eigentlich gar nicht auf dem Radar (wir wollten unbedingt was Europäisches), aber beim Anspielen hat es uns einfach ganz gut gefallen und die Mechanik war einfach beeindruckend für ein gebrauchtes Klavier.

Nach deinem Kommentar werde ich mich jetzt noch mal speziell nach jüngeren YUS Modellen umschauen.

Allerbesten Dank und liebe Grüße
 
Bisserl Lesestoff betreffend Variantenreichtum bei Yamaha und Bauzeit:



Wir wollten endlich ein "g'scheites Klavier" und meine Frau wünschte die digitalen Möglichkeiten für andere Klangfarben und fürs Transponieren. Bei der elektronischen Option bei möglichst unbehinderter Spielweise wird die Luft schnell dünn.

Im Zuge unserer "musikalischen Reise zum eigenen Klavier" hat meine Frau da einiges angespielt und ich durfte zuhören. Und die teureren Yamahas haben schon etwas zu bieten: Das im Vergleich zum noch immer etwas "drahtigem" U3 recht "harmonische, stimmige" YUS3, das "noch etwas sanftere, etwas molligere und gleichzeitig auch brillante" YUS5 und auch das "sehr erwachsen-europäisch klingende" SE132 sollte man angespielt haben. Allein der elfenbeinähnliche Tastenbelag des YUS5 ist manchen Spielern schon einen Aufpreis wert.

Gut gefielen ihr auch das C. Bechsten Concert 8 und ein besseres W. Hoffmann. Aber zu welchen vergleichsweise verrückten Preisen! Auch ein größeres Steingraeber gefiel sehr, ebenso unfassbar teuer. Mag sein, dass diese Top-Instrumente noch einen Tacken mehr zu bieten haben — aber viel ist es nicht und die Relationen stimmen für uns da einfach nicht mehr.
 
Zuletzt bearbeitet:
Silent ist so eine Sache. Bei Kawai wird da ein Besenstil vor die Hämmer geklappt, gegen die dann die Stile aufprallen. Der Hammer erreicht so nicht mehr die Saite, aber es entsteht ein lautes Klackergeräusch, daß sich auf den Boden überträgt. Also unbedingt ohne Kopfhörer prüfen.

Was das Renommee von Händlern/Bauern angeht, ist das auch so eine Sache. Im Bekanntenkreis bei den richtigen Leuten umhören und eben eigene Erfahrungen machen. Oder auch einen Klavierbauer mitnehmen.

Gruß
Manfred
 
Zumindest von unserem Yamaha YUS5 kann ich das so nicht bestätigen. Ja, man hört die Mechanik arbeiten und ein nicht völlig leises, dumpf-weiches "Trommeln" ist zu hören ähnlich einem Trommeln von Fingern auf einer leichteren Tischplatte (das bei konzentrierter Arbeit oder beim Lesen direkt daneben durchaus lästig stört), auch das Pedal und die ganze Dämpfermechanik bewegen sich schon mal ganz leicht hörbar, die Saiten "hallen" dann ja auch … aber "ein lautes Klackergeräusch, das sich auf den Boden überträgt" können ich wie meine Gattin wirklich nicht feststellen. Auch ist bei uns im Raum direkt unter dem Klavier nichts davon zu hören.
 

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