
Dorforganistin
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Der vierstimmige Satz zu "Wir sagen euch an den lieben Advent" ist einer der einfachsten im Choralbuch - also auf ans Werk 

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Streng genommen bin ich auch "scheinlos", da ich zwar ein abgeschlossenes Musikstudium mit den entsprechenden Papieren vorweisen kann - aber mit den Studienschwerpunkten Komposition, Musiktheorie und Klavier. Auch zum Kapellmeisterabschluss kam ich nie, obwohl ich bereits in der Schulzeit vor Vokal- und Instrumentalensembles gestanden habe. Inzwischen sind Jahrzehnte ins Land gegangen und die Frage, ob ich auch treu und brav ein einschlägiges Studium absolviert habe, steht schon seit vielen Jahren nicht mehr im Raum. Sie wäre auch für die aktuelle Berufspraxis irrelevant: Vor dreißig Jahren ein Diplom erworben und sich dann heute noch als Weltmeister seines Faches vorkommen - das wäre doch einigermaßen lächerlich. Im vergangenen Jahr hat mich der auch kirchenmusikalisch engagierte Geschäftsführer eines von mir geleiteten Chores darauf angesprochen, ob nicht der vermutlich problemlose Erwerb des C-Scheines bei der Erlangung fester Engagements hilfreich sein könnte. Als ich mein Anliegen den im Ausbildungsbereich tätigen hauptamtlichen Kirchenmusikern im Freundeskreis vortrug, gaben diese mir zu verstehen, durch meine Ausbildung auf dem Niveau eines A-Kirchenmusikers qualifiziert zu sein - hätte ich Ambitionen in den hauptamtlichen Bereich, würde sich durch den Erwerb des C-Papiers nichts Entscheidendes ändern in Relation zu dem, was ich bereits heute tue. Erfahrungsgemäß lässt sich für leistungsfähige Seiteneinsteiger auch dann "was machen", wenn entsprechende Praxisnachweise ja vorliegen. Außerdem sind die Personalprobleme in der Kirchenmusik in den vergangenen Jahren nicht kleiner geworden.Durchgefallen bin ich seinerzeit nicht, ich hab mich erst gar nicht zur Prüfung angemeldet, weil neben der Chorleiterei und dem Selber-Singen in zwei Chören das Üben auf der Strecke blieb und ich dann noch lästigerweise Abitur machen musste. Deswegen treibe ich heute 20 Jahre später mein Unwesen als „scheinloser“ Hilfsorganist...
Durch die obigen Ausführungen dürfte klar geworden sein, dass ich in prüfungsspezifischen Belangen nicht zu den "Berufenen" gehöre. Jemand wie @Axel ist dafür ein weitaus besserer Ansprechpartner - vielleicht liest er ja mit.Tipps zur besseren Vorbereitung können dir bestimmt Berufenere als ich in diesem Forum liefern (@Rheinkultur?)
So sieht "Kirchenmusik" in der Praxis längst nicht überall aus. Mit einer solchen Aussage beleidigst Du nur viele professionell tätige Kollegen, die auch in der oft gering geschätzten "Provinz" einen sehr guten und engagierten Job machen.Naja, ehrlich gesagt bin ich nicht traurig drum. Unendlich langweilige "Gottesdienste" mit ein paar verstreut sitzenden Omas, dazu unbeholfene, schief tönende Musik - so schafft sich die Kirche ganz in Ruhe selber ab [emoji1] [emoji1] [emoji1]
Vor allem sollte die Kommunikation zwischen Pfarrer und Organist stimmen. Den meisten Pfarrern ist die Personalproblematik in der Kirchenmusik sicherlich bewusst. Wenn die Gewinnung nebenamtlicher Kandidaten für den Orgeldienst so schwierig ist, sollte man interessierten Kräften auch die nötige Unterstützung zukommen lassen, indem man ihnen beispielsweise genügend Vorbereitungszeit lässt. Immerhin besteht die Möglichkeit, dass jemand den Orgeldienst ablehnt mit der Begründung, sich unter diesen Bedingungen nicht angemessen vorbereiten zu können.Und vielleicht hast du ja die Möglichkeit, dir in deiner Heimatgemeinde nach Absprache mit dem/r Pfarrer/in bestimmte Choräle zu wünschen.
Wenn Du eine so lange Vorlaufzeit benötigst, bleibt Dir nichts anderes übrig als mit den entsprechenden Gemeindeliedern und Chorälen entsprechend früh zu beginnen. Dann beschäftigt man sich mit den Sachen für die Adventszeit eben schon im September. Das tut der Kirchenchor ja auch mit der Literatur, die er später zur Aufführung bringen wird. Die Weihnachtsshows mit Silbereisen & Co. werden ebenfalls meist bereits im Spätsommer aufgezeichnet - da erklingt drinnen das Lied von der Weißen Weihnacht, wenn draußen das Thermometer noch dreißig Grad anzeigt. Und bei ALDI gibt es die Weihnachtseier demnächst das ganze Jahr im Angebot... .Wie soll ich die 4-stimmigen Sätze im Gottesdienst spielen, wenn ich 2 Monate brauche, um sie zu können? Selbst das Auffrischen von schon Gehabtem dauert bei mir ca. eine Woche. Und von den meisten Pfarrern erfahre ich die Lieder frühestens 3 Tage vor dem jeweiligen Gottesdienst.
Sicherlich hängt diese tatsächlich überlange Vorbereitungszeit mit einer tiefsitzenden Angst vor dem Versagen zusammen. Vor dem inneren Auge des Organisten werden dann alle dem Spiel beiwohnenden Personen (Gottesdienstbesucher, Chormitglieder, Pfarrer...) zu übel gesonnenen Kritikern, die auf jeden noch so kleinen Patzer beim Spielen förmlich lauern. In einer Prüfungssituation wird diese Belastungsempfindung noch größer, sobald beispielsweise ein Prüfer schlecht gelaunt oder unsympathisch daherkommt. Dagegen hilft prinzipiell die Konzentration auf diejenigen Personen, die eine positive Ausstrahlung erkennen lassen, die einem offensichtlich wohlgesonnen sind, die es zu schätzen wissen, dass sich da jemand als Musiker aktiv in die Gestaltung eines Gottesdienstes einbringt. Sollen die Personen mit abweisendem und mürrischem Gesichtsausdruck erst mal selber auf der Orgelbank Platz nehmen - wer sagt denn, dass sie den Job besser hinbekommen?Vielleicht solltest du mal überlegen, warum genau du so lange zum Üben brauchst. Brauchst du wirklich soviel Zeit, um den Choral gut und fehlerfrei durchzubekommen oder brauchst du so lange, um dich dabei sicher zu fühlen? Wenn ersteres der Fall ist, solltest du dringend mal mit deiner Lehrerin reden, die dir noch andere Übetechniken zeigen kann. Wenn du aber eigentlich den Choral nach ( was weiß ich) 2 Wochen kannst und dich nur noch nicht sicher fühlst, führe dir mal vor Augen, dass man einen Choral nicht praktisch auswendig können muss, wenn man ihn vorspielt.
So sieht "Kirchenmusik" in der Praxis längst nicht überall aus. Mit einer solchen Aussage beleidigst Du nur viele professionell tätige Kollegen, die auch in der oft gering geschätzten "Provinz" einen sehr guten und engagierten Job machen.
LG von Rheinkultur
ch brauche dafür nur die Sopranstimme und die Akkordsymbole. Das klappt immer supergut. Wenn ich Orgelhausaufgaben machen muss, also ein Lied nach Choralbuchsatz begleite, funktioniert das nicht so toll. Ich frage mich, ob es eine Sache der Begabung ist, wenn man so lange braucht, um Choralbuchsätze zu können.
Gerade wenn man mit Stress-Situationen nicht so gut zurechtkommt, sollte man zusätzliche Belastungen gering halten. Zwischen unterschiedlichen Konzepten hin und her zu wechseln gehört zweifellos dazu.Wenn man zwei unterschiedliche Methoden für die Praxis und die Prüfung anwendet, sind Interferenzen unvermeidlich und es wird sich das "durchsetzen", was man üblicherweise tut.
Mancherorts ist sogar inzwischen die Unterscheidung weggefallen, wonach die Sätze für Dienstleister ohne Abschluss niedriger sind. Oder die Unterschiede sind so gering, dass man sich ernsthaft die Frage stellen muss, ob das die Zusatzbelastung rechtfertigt, die durch die Prüfungsteilnahme entsteht. Bei der Übernahme in feste Anstellungsverhältnisse kann die Sache anders aussehen, nicht aber bei einzelnen Vertretungseinsätzen. Würde man da allzu starr auf irgendwelchen Formalitäten insistieren, bliebe für den Orgeldienst irgendwann überhaupt kein geeigneter Kandidat mehr übrig.Aber was soll's, dann orgelst Du halt ohne Prüfung. Oder brauchst Du die paar Euro mehr?
Eine Gemeinde, deren Gesang zu begleiten ist, singt leider nicht im Zeitlupentempo. Deshalb ist von vornherein eine Choralbearbeitung auf das Originaltempo auszurichten. Das bedeutet im Klartext, die der Choralmelodie unterlegten Stimmen und Akkorde so einfach wie nur irgend möglich zu setzen. Viele Gemeindelieder und Choräle kommen ja mit einer einzigen Harmonie für mindestens einen kompletten Takt oder länger aus. Wenn diese Satzdichte sicher beherrscht wird, kann man die Komplexität nach und nach steigern. Da ist natürlich die Lehrerin gefordert, diese Techniken umsetzbar zu vermitteln. Ich wage die Behauptung, dass dieser Lernprozess keine zwei Monate dauern muss - und habe den Verdacht, dass da bei dem Unterricht einiges ziemlich falsch läuft.Nach 2 Wochen Übzeit ist bei mir ein Choral so, dass ich ihn richtig spielen kann, aber in Zeitlupentempo.
Familie und Beruf mit der nebenberuflichen Musiziertätigkeit verbinden, das ist eigentlich der Regelfall. Hast Du die Möglichkeit einer zweiten Meinung - also eine Alternative zur derzeitigen Lehrerin?Ich kann auch leider nicht mehrere Stunden pro Tag üben, weil ich 4 Kinder habe. In der Woche vor der Prüfung habe ich Kinder und Haushalt völlig vernachlässigt und dauernd geübt, was ja immerhin gebracht hat, dass ich die beiden Choräle (+1 Choralvorspiel + 1 Intonation) in 1 Woche hingekriegt habe, obwohl ich sonst 2 Monate brauche.
Exakt null. Oft erfahre ich erst ein paar Minuten vor dem Dienst, was vorgesehen ist. Allerdings sind die Priester hier von mir gewohnt, dass es ad hoc "laufen" muss. Das nötige Rüstzeug kann man sich aber aneignen und die dazugehörige Praxis sammeln.Wie viele Übstunden braucht Ihr denn, um 1 Choral "aufführungsreif" zu können?
Bevor "Dorforganistin" mir den Tipp mit "Wir sagen euch an den lieben Advent" gegeben hat, habe ich schon mit "Gott ist gegenwärtig" angefangen, weil dieser Choral mir auch ziemlich einfach vorkommt.
"Hilfreich" ist das vielleicht nicht - aber es STIMMT doch!Solche schäbigen Klischees sind ebenso wenig hilfreich wie beispielsweise Gehässigkeiten zu drittklassigen Jazzmusikern, die in irgendwelchen angeschmuddelten Provinzklitschen ("Clubszene" klingt als Bezeichnung natürlich besser) ihr schräges Zeug runterschrammeln, das außer einer Handvoll selbsterklärten "Insidern" keine Sau mehr hören will.
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Wie viele Übstunden braucht Ihr denn, um 1 Choral "aufführungsreif" zu können?
In diesem Falle besteht der letzte Rest an Selbstbewusstsein in der Ansicht, dass die anderen noch blöder und unfähiger sind als man selbst. Im Zweifelsfall sind sowieso immer nur die anderen an allem schuld. Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass miese Typen miese Musik machen.Ich habe schon genug dieser drittklassigen Dudelfritzen getroffen, die sich dann darüber unterhalten, wie blöd doch heutzutage Veranstalter und Publikum seien...
Richtig. Aber es ist sinnvoller, sich an den Vorbildern zu orientieren, die gute Musik lebendig machen können, als sich damit aufzuhalten, dass das an so vielen Orten offensichtlich nicht funktioniert: Inkompetente Animierfritzen vor Leuten, denen sowieso egal ist, was man ihnen vorsetzt - das gibt es natürlich. Aber ich persönlich finde es interessanter, jene Situationen ins Blickfeld zu nehmen, in denen gute Ergebnisse gelingen.Und genauso gibt es das Klischee von der verschnarchten Dorfkirche mit den paar Omas, in der jemand notdürftig die Orgel bedient, tatsächlich.
Das sind zwei unabhängig voneinander zu betrachtende Dinge. Im erstgenannten Falle teile ich die Ansicht, dass sich das nach heilloser Überforderung anhört: Im Regelfall sollte ein Spieler bereits beim allerersten Vom-Blatt-Spiel das Satzbild überblicken können und nicht angestrengt Note für Note im Zeitlupentempo herunter buchstabieren. Dafür gäbe es nur zwei Erklärungen: Entweder absolute Unmusikalität oder eine katastrophal unzweckmäßige Einstudierungsweise des Spielers. Erstere lässt sich nicht ändern, letztere schon. Dazu müsste man erfahren, wie der Unterricht der Fragestellerin bislang abgelaufen ist: Welche Literatur, welche Lehrwerke und Schulen wurden bislang mit welchem Erfolg bearbeitet? Im letztgenannten Falle soll im Rahmen einer Prüfung mit einem bestimmten Abschluss ja nicht Unvermögen, sondern einschlägige Fachkompetenz dokumentiert werden. Ziel ist es ja, sich mit dem Erwerb entsprechender Abschlüsse für auf Dauer angelegte Engagements zu empfehlen. Das gelingt mit einem Papier in der Tasche und den entsprechenden Leistungen leichter, als wenn man überhaupt nichts Schriftliches vorweisen kann. Allerdings ist klar, dass man mit Zeugnissen allein keine Karriere macht.Aber wenn jemand offensichtlich so wenig gerüstet ist für den Job, dass er jeden Choral aufwendig über Wochen üben muss und dann immer noch ängstlich ist, ob alles klappt (Choral! Nicht Bach-Präludium oder Fuge! Ein oller Gottesdienst-Choral!!), dann bin ich nicht der Meinung, dass das noch durch einen "Titel" wie "D-Prüfung" geadelt werden sollte.
Das passiert in der Praxis ja auch. Bevor man überhaupt niemanden mehr an die Orgel setzen kann, nimmt man lieber einen Hobbymusikanten, der mit einfachen Mitteln etwas halbwegs Erträgliches zustande bringt. So mancher spätere Berufsmusiker hat irgendwann auch mal ganz klein angefangen.Dann soll die Kirche meinetwegen die weiße Fahne hissen und einfach sagen: OK, wir finden niemanden, also nehmen wir x-beliebige Amateurspieler, egal ob die was können oder eher nicht, Hauptsache es klingt in unseren Ohren nicht allzu falsch.
Grundsätzlich begrüße ich es, wenn man der Kompetenz seines Lehrmeisters vertraut. Viel häufiger wird die Verantwortung für das eigene Scheitern überall gesucht, nur nicht bei sich selbst. Trotzdem habe ich weiterhin die begründete Vermutung, dass die Diskrepanz zwischen Anspruch und Ergebnis mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht allein auf der eigenen "Unfähigkeit" beruhen wird. Begründet deshalb, weil vollständig unmusikalische und talentlose Versager nicht jahrelang einen passablen Job auf der Orgelbank abliefern und bei der Vorlage von Noten plötzlich völlig ausflippen können.Meine Lehrerin ist supergut; eine bessere kann ich mir nicht vorstellen. An der kann es nicht liegen, wenn ich Probleme habe. Das ist alles meine Unfähigkeit.